Der Pfosten kommt
Gemeinderat Hagenbüchach befasst sich mit Flächennutzungsplan und Baugebiet
Es war ein umfassendes Programm, das sich der Gemeinderat von Hagenbüchach für die erste Sitzung nach der Sommerpause vorgenommen hatte. Denn in den Wochen zuvor wurden der Flächennutzungsplan für Hagenbüchach und der Bebauungsplan für das Gebiet „Hausäcker II“ am östlichen Ortsausgang öffentlich ausgelegt. Nun wurden die Einwände und Rückmeldungen behandelt.
Im Mittelpunkt stand dabei die Forderung einiger Familien, den Durchgangsverkehr durch das Neubaugebiet zu verhindern. Ein Verkehrspfosten an der Einmündung der Hardtstraße in die Hochstraße wird zwar die Durchfahrt für Kraftfahrzeuge verhindern; Fußgänger und Radfahrer sollen aber den Weg nutzen können, um beispielsweise zum Kindergarten oder zum Sportplatz zu kommen. Nachdem sich der Gemeinderat bereits im Frühjahr für eine solche Regelung ausgesprochen hatte, war hier die Zustimmung nur Formsache.
Dagegen wird das angedachte Mischgebiet westlich des Sportplatzes noch nicht ausgewiesen. In der Bevölkerung ist offensichtlich der Eindruck entstanden, durch Gewerbebetriebe werde Schwerlastverkehr hervorgerufen. Tatsächlich liegt aber eine konkrete Anfrage eines Interessenten vor, der ein Haus mit Zahnlabor im Erdgeschoss und eine Wohnung im ersten Stock bauen wollte. Dadurch würden keine 40-Tonner durch die Schulstraße fahren, eher Paketdienste, wie sie schon jetzt unterwegs sind. „Für einen großen Gewerbebetrieb ist die Fläche mit rund 7.000 qm auch viel zu klein“, stellte Bürgermeister Schneider fest. Nachdem aber ohnehin ein Landschaftsplan für die Gemeinde erarbeitet werden soll, wird die Idee des Mischgebiets bis dahin zurückgestellt.
Ebenso traf der Gemeinderat keine Entscheidung, ob entlang der Schulstraße ein Gehweg gebaut werden soll. Die Straße selbst ist dafür eigentlich zu eng. Vermutlich müsste sie dann zur Einbahnstraße umgewidmet werden. „Dann allerdings führt der Verkehr doch wieder über die Hochstraße ins Neubaugebiet, was wir mit dem Verkehrspfosten eigentlich vermeiden wollen“, so Schneider.
Außerdem legte sich das Gremium auch noch auf Namen für die zwei neuen Straßen im Baugebiet „Hausäcker II“ fest: zum einen wird wie schon die Dorfkirche nun auch der „Kiliansweg“ nach dem „Franken-Missionar“ benannt. Zum anderen erinnert zukünftig der „Barbarossaweg“ an den Stauferkaiser, der am 5. Februar 1158 die Urkunde unterschrieben hat, mit der „hagenbache mit allen seinen zugehorungen“ dem Kloster Münchaurach übertragen wurde. Diese erste urkundliche Erwähnung Hagenbüchachs gilt als „historisches Gründungsdatum“ des Ortes.
Schließlich folgte der Gemeinderat noch einer Empfehlung des Bayerischen Landtags und änderte die Friedhofssatzung: fortan muss für Naturgrabsteine auf dem Friedhof ein Nachweis erbracht werden, dass diese ohne Kinderarbeit hergestellt worden sind.
Kirchweih Hagenbüchach 2016
Kleine Gemeinde ganz groß
Hagenbüchach – die rund 1.350 Einwohner zählende Gemeinde im Osten des Landkreises Neustadt a.d. Aisch / Bad Windsheim mit ihren Ortsteilen Brandhof, Bräuersdorf, Erlachsmühle, Oberfembach und Trübenbronn erlebt in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Das Interesse an Bauland ist ungebrochen, gleichzeitig erweitert und modernisiert die Kommune ihre Infrastruktur. Dabei bleibt der dörfliche Charakter und Zusammenhalt aber weiter bestehen: „Wir sind die Mitmachgemeinde im Herzen Frankens“, freut sich Bürgermeister David Schneider.
Nach den Baugebieten im Westen und Süden des Hauptortes hatte die Gemeinde erst vor zwei Jahren nach Osten hin neue Flächen mit etwa 40 Grundstücken ausgewiesen. Diese waren innerhalb kürzester Zeit verkauft. Am Ortsausgang ist nun eine neue Siedlung entstanden; der Gemeinderat gab kürzlich „grünes Licht“ für einen zweiten, etwa gleich großen Bauabschnitt. Auch hier übersteigt die Nachfrage an Bauplätzen das Angebot, häufig wollen Kinder von Familien aus dem Gemeindegebiet hier bauen. „Wir profitieren von unserer Nähe zu den Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Herzogenaurach und den dortigen Arbeitsplätzen. Hinzu kommt unsere gute Anbindung an die Südwesttangente und an den öffentlichen Nahverkehr“, berichtet Schneider. „Gleichzeitig sind wir aber weit genug vom Ballungsraum entfernt, so dass die Menschen bei uns im wahrsten Sinne des Wortes im Grünen leben.“ Kein Wunder also, dass sich Hagenbüchach einer großen Beliebtheit sowohl der Alteingesessenen, wie auch der Neubürger erfreut.
Dabei helfen viele mit, die Dorfgemeinschaft in Hagenbüchach zu gestalten. Zahlreiche Ehrenamtliche engagieren sich bei den drei Feuerwehren in Hagenbüchach und in den Ortsteilen Bräuersdorf und Oberfembach. Der Sportverein ist mit verschiedenen Abteilungen erfolgreich, der Obst- und Gartenbauverein kümmert sich nicht nur um die Pflege der Pflanztröge in der Ortsmitte und lädt zur Sonnwendfeier ein. Die Kirchengemeinden ergänzen neben den Gottesdiensten mit ihren Gruppen und Veranstaltungen das bunte Angebot an geselligen Programm. „Ich bedanke mich bei allen, die sich in ihrer Freizeit für die Gemeinde einbringen“, so Schneider. „Unsere Mitmachgemeinde lebt von ihnen. Sie sind aus unserem Dorfleben nicht wegzudenken!“
Auch die Gemeinde ist aber nicht untätig. So wurde in den letzten Jahren viel investiert. In der Kindertagesstätte entstand ein Anbau für Krippenplätze, so dass inzwischen insgesamt 74 Kinder betreut werden können. Die Ortsverbindungsstraßen wurden saniert, auch in den Ortsteilen die Straßenbeleuchtung ausgebaut. Vor wenigen Wochen wurde im gesamten Gemeindegebiet das schnelle Internet mit bis zu 30 Mbit/sec freigeschaltet. Alle öffentlichen Gebäude sind barrierefrei zugänglich. Die Gemeinde hat sogar eine Rampe zum Bahnsteig an der Linie Nürnberg-Würzburg gebaut, so dass die 40 steilen Stufen kein Hindernis mehr darstellen.
Das Großprojekt der vergangenen Monate war jedoch die Sanierung des 150 Jahre alten Bahnhofsgebäudes. Noch vor nicht allzu langer Zeit wuchs eine Birke aus dem eingestürzten Dach, zweimal wütete ein Feuer in dem brach liegenden Industriedenkmal. Mit viel Eigenleistung und Engagement sanierte die Gemeinde das Gebäude. Heute erwartet im Erdgeschoß eine Bäckerei mit attraktiven Café seine Gäste. In den oberen Etagen – natürlich bequem auch mit einem Aufzug erreichbar – können Räume von Vereinen und Bürgern für Veranstaltungen genutzt werden. Nichts erinnert mehr an die marode Ruine, weshalb das Projekt Ende Oktober auch mit einem Sonderpreis des Bayer. Staatspreises für „Ländliche Entwicklung in Bayern“ ausgezeichnet wird.
Daneben hat sich die Deutsche Bahn AG mit einer besonderen Ehrung für die Baumaßnahmen rund um den Bahnhof bedankt. Seit September 2015 fährt ein Triebzug der Baureihe 440 unter dem Gemeindewappen durch Nordbayern und Teile von Hessen. Diese Auszeichnung wurde bislang nur drei Kommunen zuteil. Staatsminister Joachim Herrmann ließ es sich nicht nehmen, unter großem Applaus zahlreicher Bürgerinnen und Bürger den Zug auf den Namen „Hagenbüchach“ zu taufen. Und auch heute werfen viele noch verstohlene Blicke, wenn einer der Züge fahrplanmäßig einmal in der Stunde in Richtung Nürnberg oder Neustadt a.d. Aisch in Hagenbüchach hält: ob es wohl „unser Zug“ ist, der gerade in den Bahnhof einfährt?
Für die nächsten Jahre hat sich Hagenbüchach viel vorgenommen. Im Rahmen des Kernwegenetzplans soll die Verbindungsstraße zwischen Bräuersdorf und Erlachsmühle ausgebaut werden. Der Gemeinderat hat zudem beschlossen, den Bahnsteg beim Bahnhof über die Kreisstraße verlängern zu wollen – für mehr Verkehrssicherheit und zur Abrundung des barrierefreien Gesamtkonzepts. Die Innenentwicklung des Ortskerns will Hagenbüchach vorantreiben, möglicherweise mit einem Architektenwettbewerb, um aus mehreren Vorschlägen die beste Gestaltungsidee auswählen zu können. Und schließlich soll die Kläranlage des Hauptorts auf die neuesten rechtlichen Vorgaben ertüchtigt werden – „ohne zusätzliche Kostenbelastung für die Bürger“, wie Bürgermeister Schneider das erklärte Ziel ausgibt.
Bei aller Moderne ist sich die Gemeinde ihrer Traditionen bewusst. Mit den Straßennamen im aktuellen Neubaugebiet erinnert Hagenbüchach an historische Bezüge. So wurde ein Straßenzug nach Pfarrer Johannes Blank benannt, der Anfang des 20. Jahrhunderts in dem Ort wirkte und dessen Geschichte in einer Chronik niederschrieb.
Tradition ist auch die Hagenbüchacher Kerwa. Immer am Sonntag vor dem Jakobustag am 24. Juli, trifft sich Jung und Alt in der Ortsmitte, seit einigen Jahren schon in der „Kerwa-Scheiern“, einer zum Festzelt umfunktionierten Scheune. Viele nutzen das Festwochenende zu einem Besuch in Hagenbüchach, auch wenn sie schon Jahre zuvor des Berufs oder der Liebe wegen ihre Heimatgemeinde verlassen haben. Beim geselligen Beisammensein und zu den Liedern der Ortsburschen wird dann in Erinnerungen geschwelgt und die Entwicklung der Gemeinde bewundert. Und jedes Jahr gibt es etwas Neues zu entdecken.






